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Geschichte der Okarina

von Anton Hirschmugl

Die Okarina als Sammelbegriff für irdene Gefäßflöten ist ein uraltes Musikinstrument, das in fast allen alten Hochkulturen vertreten war, sei es in Tierform in Mittelamerika oder in Eiform im alten China. 

Der Begriff selbst stammt aus der Emilia Romagna und heisst übersetzt soviel wie "Gänschen". Die Emilia Romagna im allgemeinen und die kleine Stadt Budrio im besonderen kann als die Wiege der rübenförmigen Okarina, wie sie heute in der alpenländischen Volksmusik verwendet wird, bezeichnet werden. 

Der Erfinder der sogenannten Konzertokarina war der Hobbymusiker und Tonbrenner Giuseppe Donati, der in der Mitte des 19.Jahrhunderts aus den auf mittelitalienischen Jahrmärkten zwecks Vogelstimmenimitation verkauften Tonpfeifen ein melodiefähiges Instrument mit einem Tonumfang von eineinhalb Oktaven entwickelte. Er baute seine Instrumente in allen möglichen Größen, angefangen von klitzekleinen Sopranokarinen bis zu riesengroßen Bassokarinen, was von Anfang an zur Bildung von reinen Okarinaensembles führte. Der erste öffentliche Auftritt eines Okarinaquintetts fand 1863 in Budrio statt. Der liebliche Klang der Instrumente begeisterte die Zuhörer sehr und zehn Jahre später startete dasselbe Ensemble in Wien eine Europatournee, welche in allen betroffenen Ländern einen Okarinaboom auslöste. 

n Österreich fand die Okarina vor allem im bürgerlichen Wien ihre Anhänger und eine Vielzahl von Instrumentenbauern versuchte sich in der Herstellung, wobei vor allem die Instrumente von Heinrich Fiehn internationale Anerkennung fanden. Obwohl die Okarina unter Hobbymusikern sehr beliebt war, fand sie bis auf wenige, bruchstückhafte Ausnahmen nie die Akzeptanz der Komponisten ernster Musik. Dies könnte mit ein Grund gewesen sein, dass die Okarina sukzessive an Popularität verlor und in den Nachkriegsjahren des Zweiten Weltkriegs fast völlig vergessen war, sieht man einmal von Budrio ab, wo es seit der Erfindung durch Donati eine durchgehende Okarinatradition gibt. 

Der Ausgangspunkt für die Wiederbelebung der Okarina im deutschsprachigen Raum war der Südtiroler Volksmusikant Franz Kofler, der in den Sechziger Jahren des 20.Jahrhunderts die Okarina in sein umfangreiches Volksmusikschaffen integrierte und sie somit auch erstmals in der alpenländischen Volksmusik Verwendung fand. Anfangs stieß seine Initiative bei älteren Südtiroler Volksmusikanten auf Skepsis, handelte es sich doch um ein typisch italienisches Volksmusikinstrument, doch der liebliche Klang eroberte bald die Herzen vieler Musikanten. Heute ist die Okarina in der Volksmusikszene Österreichs, Südtirols und Bayerns ein fester Bestandteil geworden und darf auf keinem Musikantentreffen fehlen.

Anmerkung: 
Anton Hirschmugl ist der Autor der wissenschaftlichen Diplomarbeit "Die Okarina". Interessierte finden hier eine umfassende Darstellung über das Instrument und deren Bauer. Siehe Literatur

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Bemerkungen zur Okarina in der alpenländischen Volksmusik

von Simone Prein

Verwendet wird die 10-löchrige Okarina, die im Alpenraum in der Volksmusik als sog. Hosensackinstrument gespielt wird. Im Handel erhältlich sind meistens nur jene der Firma Menaglio aus Budrio, welche in den Stimmungen g´´, c´´, g´, c´, seltener in tieferen Stimmungen zu haben sind.

Man kann die Okarina nachstimmen (alle Töne bis auf den Grundton):

  1. Der Ton wird höher, wenn man das Loch des nächst tieferen Tones mit einem Schleifpapier etwas vergrößert.
  2. Ein zu hoher Ton kann erniedrigt werden, wenn man das Loch des nächst tieferen Tones mit etwas Nagellack oder Stimmwachs ausschmiert und somit verkleinert.

Gut gestimmte 10-Loch-Okarinas in beinahe allen Tonlagen erhält man bei:

bulletKurt Posch, Arlbergstr. 43c, A-6751 BRAZ
( Kurt Posch ist privater Okarinabauer und produziert ausserordentlich gut gestimmte Instrumente)
bulletFirma Plaschke, I-39100 BOZEN/BOLZANO, Bindergasse 20 Via Bottai
(Auch diese Instrumente sind in vielen Stimmungen erhältlich, sind aber etwas höher gestimmt, d. h. eher fein zum Anblasen)
bulletPlaschke Georg, I-39022 ALGUND, J. Weingartnerstr. 47/a
(Franz Kofler hat mit ihm diese Okarina entwickelt, es gibt sie ebenfalls in verschiedenen Stimmungen)

Was das Spielen in einer Stubenmusi angeht, so haben sich folgende Kombinationen als sinnvoll herausgestellt:

  
Diatonische Harmonika-Stimmung  Okarina-Stimmung
A-D-G-C D-Okarina (spielbar vorwiegend in D-, A- und G-Dur)
G-Okarina (spielbar vorwiegend in G-, D- und C-Dur)
B-Es-As-Des  Es-Okarina (spielbar vorwiegend in Es-, B- und As-Dur)
G-C-F-B C-Okarina (spielbar vorwiegend in C-, G- und F-Dur)

Wie hoch die Okarina sein soll (z. B.: g´´ oder g´-Okarina) ist vorwiegend Geschmackssache, sie sollte von der Stimmung der Harmonika nicht zu weit weg sein. Die diatonische Harmonika habe ich deshalb als Anhaltspunkt genommen, weil die Okarina ebenfalls ein diatonisches Instrument ist. Bei chromatischen Instrumenten richtet sich die Stimmung der Okarina u. U. nach der Tonart des Musikstückes.

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